Ähnlich zur Akupunktur, doch größtenteils mit eigenem Punktsystem arbeitend, versucht die Neuraltherapie über die zu den bestimmten Organen gehörende Reflexzonen, Akupunktur-Meridianen und über die Nervenbahnen die Funktion gewisser Organe zu regeln. Ihre besondere Eigenart liegt darin, dass sie in der Lage ist, Störfelder und Krankheitsherde, die die Funktion entfernter Punkte beeinflussen, auszuschalten. In den Behandlungen wird vom Arzt 1%-es Procain oder Lidocain injiziert.
Wem wird diese Methode empfohlen?
Die Methode wird vor allem bei funktionellen- und Regulationsstörungen, bei Schmerzen, bei Eingeschränktheit der Bewegung und bei zurückkehrenden Entzündungen angewandt, aber auch als selbstständige oder ergänzende Therapie von gynäkologischen Problemen bzw. von Verdauungs- und Kreislaufstörungen eingesetzt.
Die Neuraltherapie ist ein Verfahren aus dem Bereich der komplementärmedizin zur Behandlung von funktionellen Krankheiten und Schmerzen. Dabei wird durch Anwendung eines Lokalanästhetikums (Lidocain 1%) das vegetative Nervensystem beeinflusst, und dadurch wird auch eine Fernwirkungen entfalten. Vor allem in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien ist die Neuraltherapie sehr verbreitet.
Grundlage
1. Die Neuraltherapie stützt sich auf zwei Theorien. Die Störfeldtheorie beruht auf der Vorstellung, dass krankhafte Prozesse, Verletzungen und Narben in einem Organ Einfluss auf andere Organe haben können. Ursächliche Stellen werden mit den Begriffen Herd, Fokus, Störfeld oder Irritationszentrum bezeichnet. Vertreter der Neuraltherapie sind der Meinung, dass der Körper für einen kurzen Zeitraum derartige Störungen ausgleichen kann. Langfristig gesehen werden die Störherde jedoch aktiviert und es entsteht ein organisches Leiden. Nach der Herd-Störfeld-Theorie ist es möglich, dass Krankheiten in einer Körperregion ihre Ursache in anderen Körperregionen haben. Ein aktives Störfeld wird erkannt, indem an der entsprechenden Stelle ein lokales Betäubungsmittel wie Prokain/Lidocain injiziert wird. Verschwinden die Beschwerden an anderen Körperstellen daraufhin, wurde das aktive Störfeld identifiziert und ausgeschaltet.
2. Bei der Segmenttheorie der Neuraltherapie geht man davon aus, dass es Nervenverbindungen zwischen den Organen und der Haut gibt. Jeder Körperabschnitt wird einem bestimmten Hautareal, der so genannten Head-Zone, zugeordnet. Ist die Haut in einer bestimmten Zone sehr empfindlich, kann auf eine Erkrankung des damit verbundenen Organs geschlossen werden. Die Neuraltherapie wird durch eine lokale Injektion vorgenommen. Die dabei eingesetzten Betäubungsmittel werden dazu verwendet, das vegetative Nervensystem zu beeinflussen.
Wie macht man das?
Vor Beginn der Neuraltherapie sollte eine ärztliche Untersuchung inklusiver einer ausführlichen Aufnahme der Krankengeschichte (Anamnese) stattfinden.
Einige Neuraltherapeuten verwenden zur Diagnose auch Injektionen: Verstärken sich die Schmerzen durch Injektion, wird dies als ein Hinweis auf eine Störfeldreaktion angesehen. Tritt eine plötzliche Schmerzlinderung an entfernten Stellen ein, wird dies als Sekundenphänomen betrachtet. Liegt ein solches Sekundenphänomen vor, wurde ein Störfeld gefunden und durch die Injektion deaktiviert. Eine eigenständige Erkrankung liegt dann vor, wenn die lokale Betäubung sofort eine Besserung zeigt.
Die Behandlung setzt sich aus der Lokalbehandlung (Segmenttherapie) sowie der anschließenden Störfeldsanierung zusammen. Bei der Lokalbehandlung tastet der behandelnde Therapeut die Hautstellen mit den Fingern ab. Um die Schmerzen zu lindern wird die so genannte Segmentbehandlung eingesetzt, bei der ein lokales Betäubungsmittel direkt unter die Haut gespritzt wird. Die Behandlung wird im 1-3 täglichen Abstand so lange wiederholt, bis sich die Erkrankung zurückgebildet hat und der Schmerz nachlässt. Zudem gibt es tiefe Stichtechniken: Dazu wird in Triggerpunkte der Muskeln, die besonders stark schmerzen oder geschwollen sind, eingestochen.
Bei der Störfeldsanierung werden vermutete Störherde wie Narben durch punktuelle Injektionen rund um den Störherd behandelt. Zudem können je nach Diagnose Stiche in den Bauchraum, das vegetative Nervengeflecht des Beckens, in die Prostata oder den Bauchnabel erfolgen.
Was Sie von Neuraltherapie erwarten können?
Da es sich bei der Neuraltherapie um ein modernes Regulationsverfahren mit Einflußnahme auf alle Regelkreise des Organismusses wie nervales, hormonelles, muskuläres, circulatorisches und lymphatisches System handelt, sowie auch auf Skelett, Verdauungs-und Ausscheidungs-organe Einfluß nimmt, ist die Einsatzmöglichkeit breit gefächert.
Im einzelnen können mit der Neuraltherapie folgende Erkrankungen behandelt werden:
Kopf: Kopfschmerzen, Migräne, Kopfdruck, Folgen von Gehirnerschütterungen und Schädelbrüchen wie Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Epilepsie als Unfallfolge. Arteriosklerose des Gehirns und Zustand nach Schlaganfall (nur Besserung der geistigen und körperlichen Beweglichkeit). Manche Formen von Kreislaufstörungen, Haarausfall, Trigeminusneuralgien, Fazialislähmungen, Schlaflosigkeit.
Augen: Glaukom (Grüner Star) und alle entzündlichen Augenerkrankungen wie Neuritis, Iridozyklitis, Keratitis, Skleritis, usw.
Ohren: Akute und chronische Mittelohrentzündungen, vom Ohr ausgehende Gleichgewichtsstörungen (Meni?re), Ohrensausen und andere Ohrgeräusche (Tinnitus), Schwerhörigkeit.
Nase: Heuschnupfen, chronischer Schnupfen, Verlust des Geruchsvermögens, Nebenhöhleneiterungen.
Hals: Schilddrüsenvergrößerung (Kropf) mit oder ohne Schilddrüsenüberfunktion (Basedow), chronische Mandelentzündungen, ständiges Druck- und Fremdkörpergefühl im Hals. Peitschensyndrom nach Auffahrunfällen.
Brust, Herz: Bronchialasthma, Angina pectoris, Herzstiche, Herzbeklemmung, Zustand nach Herzinfarkt, Herzneurose Herzmuskelentzündung, Silikose (Staublunge), Emphysem
Kreislauf: organische Durchblutungsstörungen an Armen und Beinen, Gefäßkrämpfe, Lymphabflußstauungen, Arterielle und venöse Durchblutungsstörungen, Krampfadern, Unterschenkelgeschwüre
Bauch: Leber-und Gallenleiden, Beschwerden nach Gelbsucht, Magen- und Zwölf- fingerdarmgeschwüre, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Magenneurose, chronische Verstopfung, chronischer Durchfall, Kolitis, Crohn.
Unterleib: Bei Frauen Entzündungen der Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke, Periodenschmerzen, Ausfluß, Krankheiten, die nach Fehlgeburten oder schweren Entbindungen aufgetreten sind, Kinderlosigkeit, sexuelle Störungen, Schwangerschaftserbrechen, Neigung zu Fehlgeburten. Beim Mann Prostata-(Vorsteherdrüsen-)vergrößerungen und -entzündungen,Impotenz. Nierenerkrankungen. Blasenleiden wie Reizblase, auch Bettnässen.
Gelenke: Arthritis, Arthrosis (Alters-und Abnutzungserkrankungen), Rheumatismus, Hüftleiden (Cox-arthrose), Kniebeschwerden, Steißbeinschmerzen, Bänderzerrungen, Tennisellenbogen, Knochenhauterkrankungen, Sudeck´sche Krankheit,
Wirbelsäule: Zervikalsyndrom, Spondylosis, Bandscheibenschaden, Bechterew´sche Krankheit, Kreuzschmerzen, Hexenschuß, Ischias
Muskeln: Gelenk-und Muskelrheuma, Muskelrisse, Amputationsstumpfschmerzen, Sportverletzungen.
Haut: Chronische Hautleiden (wie Ekzem), Narbenschmerzen, Schmerzen nach Gürtelrose, schlecht heilende Wunden, offene Beine.
Nerven: Neuralgien aller Art, Nervenentzündungen, "nervöse" Organleiden, Gefühlsstörungen, Schmerzzustände aller Art, Polyneuropathien.
Allgemeinerkrankungen: Allergien, "vegetative Dystonie", funktionelle Erkrankungen, Störungen der Hormondrüsen, Wetterfühligkeit und Föhnkrankheit.


