Gemeinschaftspraxis
dr. Balaicza und dr. Tamasi
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Sorbitintoleranz

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Sorbitintoleranz
Sorbit [z?r?bi?t] (der Sorbit, auch das Sorbitol, Glucitol oder Hexanhexol) zählt zu den Alditolen (Zuckeralkoholen) und findet in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln (Lebensmittelzusatzstoff E 420) als Zuckeraustauschstoff, Trägerstoff sowie Feuchthaltemittel Verwendung. Sorbit ist die reduzierte Polyolform der Glucose.

Sorbitintoleranz
Sorbit [z?r?bi?t] (der Sorbit, auch das Sorbitol, Glucitol oder Hexanhexol) zählt zu den Alditolen (Zuckeralkoholen) und findet in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln (Lebensmittelzusatzstoff E 420) als Zuckeraustauschstoff, Trägerstoff sowie Feuchthaltemittel Verwendung. Sorbit ist die reduzierte Polyolform der Glucose.
Biochemie


Polyolweg von Glucose (1) über Sorbit (2) zu Fructose (3).
Im Organismus ist Sorbit Zwischenstufe des außerhalb der Leber vorkommenden Polyolweges und kann sowohl zu Glucose als auch zu Fructose umgewandelt werden. Neben dem Abbau von über die Nahrung zugeführtem Sorbit wird dieser Weg beschritten, um aus Glucose Fructose zu synthetisieren, vor allem in der Bläschendrüse zur Ernährung der Spermien. Das Enzym Aldosereduktase wandelt Glucose unter Verbrauch eines NADPH/H+ in Sorbit um, das Enzym Sorbitdehydrogenase oxidiert Sorbit zu Fructose, diesmal unter Gewinn eines NADH/H+.
Sorbit, Mannit, Xylit...     

Warum werden diese Stoffe in der Lebensmittelindustrie eingesetzt?
Diese sogenannten Zuckeraustauschstoffe werden verwendet, um Lebensmittel zu süßen und um die Feuchtigkeit in Lebensmitteln zu halten. Da diese Stoffe im Körper den Blutzuckerspiegel nicht ansteigen lassen, werden sie gerne in Light- und Diabetikerprodukten eingesetzt. In großen Mengen genossen, führen sie auch beim "normalen" Menschen zu Durchfällen.
Die meisten dieser Stoffe sind keine Erfindung des Menschen, sie kommen sehr wohl auch in der Natur vor.
Sorbit ist zum Beispiel in der Frucht der Ebersche (=Vogelbeere), in Äpfeln, Sanddorn, Pflaumen (Ö: Zwetschken) oder Rosinen enthalten.
Mannit kommt in Feigen, einigen Meeresalgen, der Schwarzwurzel, Champignons und Shitake Pilzen in höheren Konzentrationen vor.
Xylit findet sich in der Rinde der Birke, aber auch in Nahrungsmitteln wie Pflaumen. Xylit wird gerne für Kaugummis und Bon-Bons verwendet weil es eine hohe Süßkraft auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber einen kühlenden Effekt auf der Zunge generiert - ähnlich dem Menthol - und ausserdem kariesverhindernd wirkt.
Sonderfall Xylit: Xylit macht bei Fruktosemalabsorption üblicherweise keine Probleme!
Es hat aber eine blähende Wirkung und sollte daher in großen Mengen vermieden werden!
Diese Stoffe sollten also vermieden werden:
* Sorbit (E420, Sorbitol)
* Mannit (E421, Mannitol)
* Isomalt (E953)
* Maltit (E965, Maltitol, Maltitol-Sirup)
* Xylit (E967, Xylitol, Pentanpentol)- siehe Hinweiskasten oben


Warum diese Stoffe meiden?
Der Stoffwechsel des Sorbits spielt bei der Entstehung einiger Spätfolgen des Diabetes mellitus eine Rolle. Bei unphysiologisch hohem Glucoseangebot wird der Polyolweg beschritten, dessen Gleichgewicht auf der Seite von Sorbit und Fructose liegt. Da Fructose praktisch nur in der Leber abgebaut wird und Sorbit und Fructose die Zellen nicht verlassen können, akkumulieren sie und verschieben das osmotische Gleichgewicht der Zelle, was letztendlich zur Zellschwellung führt. Insbesondere die Entstehung des Grauen Stars wird auf diesen Mechanismus zurückgeführt, aber er spielt auch bei der diabetischen Mikroangiopathie und Neuropathie eine Rolle.
In aller Kürze erklärt: Diese Stoffe blockieren den Transporter, der die Fruktosedurch die Darmwand transportiert. Da bei Menschen mit Fruktosemalabsorption dieser Transporter gestört ist bzw. nur schlecht arbeitet, sollte jedeweitere Störung dieses Transportmechanismus unterlassen werden. Nimmt also ein Mensch mit Fruktosemalabsorption nur Sorbit zu sich, aber gleichzeitig (bis zu 48h!) keine Fruktose, so gibt es theorethisch keine Probleme. Diese entstehen erst bei gleichzeitiger Einnahme von Fruktose. Da dies aber in der Praxis nicht vermieden werden kann, sollte man auf diese Stoffe so gut wie möglich verzichten. Aber auch hier gilt: Jeder muss für sich selbst herausfinden wieviel er verträgt und wieviel nicht.
Herstellung
Ursprünglich wurde Sorbit aus den Früchten der Eberesche (Vogelbeere) gewonnen, die bis zu 12 % Sorbit enthalten. Er kommt aber auch in vielen anderen Früchten und vor allem in Kernobstsorten vor. Erwähnenswert hinsichtlich ihres hohen Anteils an Sorbit sind Birnen, Pflaumen, Äpfel, Aprikosen, Pfirsiche, Rosinen sowie sämtliches Trockenobst.
Die industrielle Herstellung erfolgt aus Mais- und Weizenstärke. Sorbit wird auf der Basis von Glucose (Traubenzucker) gewonnen. Wie bei allen Produkten, die über die Stärkeverzuckerung in Europa erzeugt werden, sind bei Sorbit keine gentechnischen Produkte auf dem Markt, wobei zur Herstellung von Sorbit der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen möglich wäre.
Verwendung und Eigenschaften
Sorbit liefert mit 2,4 kcal/g (10 kJ/g) nicht so viel Kalorien wie Haushaltszucker (Saccharose) (17 kJ/g). Seine Süßkraft entspricht etwa 60 % von der des Haushaltszuckers. Für die Verstoffwechselung im Körper wird kein Insulin benötigt. Daher ist Sorbit zum Süßen von Diabetikerlebensmitteln geeignet und kommt in diesen diätetischen Lebensmitteln zum Einsatz.
In der Lebensmittelherstellung wird Sorbit auch als Feuchthaltemittel eingesetzt, da es hygroskopische Eigenschaften besitzt und somit Lebensmittel (beispielsweise Senf, Mayonnaisen, Toast, Biskuit, Schokoladen- und Pralinenfüllungen), Kosmetika und auch Zahncremes vor dem Austrocknen schützt.
Sorbit ist nicht kariogen. Für den Nachweis dieser Eigenschaft gibt es einen international anerkannten Schweizer Test. Produkte, die diesen Test bestehen, können das Logo "Zahnmännchen" erhalten (Zahn mit einem Schirm darüber) der "Aktion zahnschonend".
Er ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 420 mit Ausnahme von Getränken als Zusatz für fast alle Lebensmittel in beliebig hoher Menge zugelassen, obwohl aufgenommene Mengen von mehr als 20–50 g/Tag zu Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen führen können. Diese Menge kann beispielsweise in 30 g Diätkonfitüre enthalten sein. Vom häufigen Verzehr – mehr als 20 g pro Portion und 50 g am Tag – ist daher abzuraten. Jedes Lebensmittel, das mehr als 10 % Sorbit oder andere Polyole enthält, muss daher auch den Wortlaut: „...kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken!“ tragen.
In hohen Dosen wirkt Sorbit durch seine Wasseranziehungskraft auch als osmotisches Diuretikum. Im Handel erhältliche Präparate sind unter anderem Sorbit Leopold 40%® und Sorbit Mayrhofer®. Derselbe Wirkmechanismus bedingt seine Verwendungsmöglichkeit als Klistier (z. B. Mikroclist-Mikroklistier®, Yal®).
Unverträglichkeit
Bei einer Sorbitunverträglichkeit (= Sorbitmalabsorption, Sorbitintoleranz) ist die Verwertung von Sorbit im Dünndarm ganz oder teilweise aufgehoben. Die Dünndarmschleimhaut stellt Transportmoleküle bereit, die das Sorbit aus dem Speisebrei in das Blut transportieren. Verschiedene Schädigungen der Darmwand führen dazu, dass dieser Transport nicht mehr gut funktioniert. Die konsequente Behandlung des Darms führt sehr häufig zu einer verbesserten Aufnahme des Sorbit. Die Beschwerden gleichen denen der Milchzucker- oder Fruchtzuckerintoleranz. Nicht wenige Betroffene leiden gleichzeitig auch unter einer Malabsorption anderer Zucker, insbesondere Fruchtzucker. In Folge besteht im unteren Dünndarm und im Dickdarm ein Überangebot an Zuckern. Dieses führt zu
? vermehrten Gärungsprozessen mit erheblicher Darmgasbildung
? Begünstigung bestimmter Darmbakterienarten und Hefepilzbesiedelung
? erhöhter entzündlicher Aktivität der Darmschleimhaut mit
? Entstehung einer Undichtigkeit der Darmschleimhaut („leaky gut“)
Die Diagnostik
erfolgt in der Regel über die Provokation mit Messung der entstehenden Wasserstoffmenge in der Atemluft. Wasserstoffatemtest.
Die Beschwerden
die dadurch ausgelöst werden, lassen sich aus der obigen Aufzählung leicht ableiten. Es sind einerseits unmittelbare Symptome, andererseits Folgen von sich darauf aufpfropfenden Problemen wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder auch Hefepilzbelastungen. Im Wesentlichen sind die Symptome bei allen Zuckerintoleranzen gleich:
? Blähungen, Völlegefühl, wechselhafte Stühle, Durchfälle, Bauchkrämpfe, gelegentlich auch Verstopfung
? Übelkeit nach dem Essen
? Chronische Müdigkeit und depressive Verstimmung, Unruhezustände, Schlafstörungen, schlechter Allgemeinzustand durch die Belastung von Leber, Gehirn und Gesamtorganismus durch Gärungsalkohole
? Kopfschmerzen, Gliederschmerzen
? Hautprobleme
? in letzter Konsequenz durch die entstehende Verschiebung des Darmbakteriensystems auch Störungen des Immunsystems mit Abwehrschwäche und/oder allergischen Reaktionen
Die Behandlung
Ist eine Sorbitunverträglichkeit diagnostiziert, sollte man Produkte meiden, die Sorbit als Zuckeraustauschstoff enthalten. Besondere Vorsicht ist bei Diabetikernahrungsmitteln und Diät-/Lightprodukten geboten. Auch ist darauf zu achten, dass in fast allen herkömmlichen Kaugummis und Lutschpastillen Sorbit enthalten ist. Er ist ebenfalls Bestandteil der meisten Zahncremes, die auf dem Markt zu finden sind.
Ebenso findet sich in vielen einheimischen Obstsorten, z. B. Pfirsich (0,9 g/100 g), Aprikose (0,82 g/100 g) oder Pflaume (1,4 g/100 g) eine nicht unerhebliche Menge Sorbit, die im Trockenobst noch höher liegt: getrocknete Aprikose (4,6 g/100 g), getrocknete Pflaume (1,4 g/100 g).
Oft ist die Sorbitunverträglichkeit mit der Fruktoseunverträglichkeit gekoppelt. Deshalb sollte diese auf jeden Fall ausgetestet werden.
Menschen mit Fructoseintoleranz oder Fructosemalabsorption dürfen auch keinen Sorbit zu sich nehmen, da er im Stoffwechsel in Fructose umgewandelt wird. Bei diesen Patienten kann zusätzlich zur Fructoseintoleranz eine Sorbitintoleranz vorliegen, was jedoch einer gesonderten medizinischen Abklärung bedarf.
Vorkommen von Sorbit
als Zuckeraustauschstoff in Desserts, Marmeladen, Müslis, Kaugummi, Eis, Obstzubereitungen, Getränken, Süßwaren, Zahnpasta, Schaumwein, Kakaozubereitungen, Majonaise, Senf, Brotaufstrichen. Weiter wird es viel als Feuchthaltemittel in Backwaren aller Art verwendet.
Der Zuckeraustauschstoff Sorbit verbirgt sich in der Zutatenliste hinter der E-Nummer E420. Es gibt noch andere E-Nummern die sorbithältig sind. Das sind E432, E433, E434, E435 und E436.
Auch in natürlichen Produkten kommt Sorbit vor. Hier vor allem in Trockenfrüchten, der Frucht der Eberesche, in Birnen, Pflaumen, Äpfeln, Aprikosen, Pfirsichen und Rosinen.
Natürlicherweise ist es enthalten in Obst insbesondere in Apfel, Birne, Aprikose. Besonders konzentriert ist Sorbit in Trockenobst vorhanden.
Nach einigen Wochen strenger Diät, in der absolut jegliches Sorbit gemieden werden sollte (Kaugummis, Bon-bons, Zuckerfreie Produkte, Diabetikernahrung, ...) kann dann eine langsame Annäherung an eine normale Ernährung erfolgen.
Bei einer Sorbitunverträglichkeit sollte man weiters Getränke wie Wein (rot und weiß, je ca. 2-6mg/100ml) und Bier (Lagerbier, 2mg/100ml) meiden.
In folgender Tabelle sind die Lebensmittel angegeben, bei denen der Sorbitgehalt gemessen wurde. Die Tabelle wird immer erweitert, sobald uns neue Werte vorliegen. Die Sorbitgehalte sind natürlichen Schwankungen unterworfen und dürfen nur als Faustregel genommen werden.
Lebensmittel
Sorbit (g/100g Lebensmittel)

Weißbier
0,0020

Heidelbeere (enthält Xylit)
0,0040

Himbeere
0,0090

Johannesbeernektar schwarz
0,0200

Erdbeere
0,0300

Bier alkoholfrei
0,2000

Trauben
0,2000

Apfel
0,5100

Apfelsaft
0,5600

Aprikose (Marille)
0,8200

Marille (Aprikose)
0,8200

Rosine
0,8500

Pfirsich
0,8900

Dattel getrocknet
1,3500

Pflaume
1,4000

Birne
2,1700

Apfel getrocknet
2,4900

Aprikosen getrocknet
4,6000

Marillen getrocknet
4,6000

Pfirsich getrocknet
5,3300

Pflaume getrocknet
6,5700


Verhaltensregeln
Absolute Meidung von Diätprodukten, in denen oft der übliche Zucker durch Sorbit ersetzt ist. Ebenso sollte Trockenobst strikt gemieden werden.  Oft wird davon abgeraten Mundhygieneprodukte die sorbithältig sind zu vermeiden, da das Sorbit angeblich über die Mundschleimhaut aufgenommen wird und dann Probleme verursacht. Dies steht jedoch im Gegensatz zur oben genannten Theorie, denn Sorbit das über die Schleimhaut aufgenommen wird, gelangt nicht in den Dünndarm und kann somit keine Symptome verursachen. Ob Sorbit überhaupt über die Mundschleimhaut aufgenommen wird findet sich nicht in der Literatur.

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